Rund ein Viertel der Grundwassermessstellen in Deutschland liegt über dem Grenzwert. Warum das am Hahn selten ankommt, welche Regionen betroffen sind und was Nitrat für Säuglinge und Erwachsene heißt.
Kurz gesagt
- Quelle: Gülle und Mineraldünger, die im Boden zu Nitrat werden und ins Grundwasser sickern.
- Messstellen über 50 mg/l vor allem in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.
- Versorger mischen, verdünnen oder erschließen tiefere Brunnen, das Trinkwasser hält den Grenzwert fast überall.
- Für Säuglinge unter 10 mg/l anstreben, für Erwachsene ist 50 sicher.
Woher Nitrat kommt
Stickstoff aus Gülle, Mist und Mineraldünger wird im Boden zu Nitrat, das Pflanzen aufnehmen. Was sie nicht brauchen, spült der Regen ins Grundwasser. Dort bleibt es Jahrzehnte, weil Nitrat im Grundwasser kaum abgebaut wird. Deshalb wirken Düngeregeln von heute erst in 20 bis 40 Jahren am Brunnen. Weitere Quellen sind undichte Abwasserkanäle, Kläranlagen und Gärten, die im Vergleich aber klein sind.
Wo es hoch ist
Das Umweltbundesamt meldet, dass rund ein Viertel der Messstellen im Grundwasser über 50 mg/l liegt, mit Schwerpunkten in Regionen mit intensiver Tierhaltung und Gemüseanbau: Weser-Ems in Niedersachsen, Münsterland und Niederrhein in Nordrhein-Westfalen, Teile Bayerns, das Oberrheintal in Baden-Württemberg, Teile Sachsen-Anhalts. Wegen dieser Werte hat der Europäische Gerichtshof Deutschland 2018 verurteilt, die Düngeverordnung wurde daraufhin verschärft.
Warum es am Hahn selten ankommt
Wasserversorger dürfen kein Wasser über 50 mg/l liefern. Sie mischen Wasser aus mehreren Brunnen, nutzen tiefere Grundwasserleiter, verlegen Brunnen oder kaufen Flächen, um die Landwirtschaft darauf einzuschränken. In seltenen Fällen wird Nitrat technisch entfernt (Ionentauscher, Denitrifikation). Die Folge: Über 99 Prozent des Trinkwassers hält den Grenzwert, in vielen Städten liegt Nitrat unter 10 mg/l. Die Werte deiner Stadt stehen unter Regionen. Das Problem trifft vor allem private Brunnen ohne Versorger.
Was Nitrat im Körper macht
Nitrat selbst ist wenig giftig. Im Körper wird es teilweise zu Nitrit, das bei Säuglingen unter sechs Monaten den Sauerstofftransport im Blut stören kann (Blausucht). Deshalb sollte Wasser für Babynahrung unter 10 mg/l liegen. Bei Erwachsenen geht es um Nitrosamine, die im Magen aus Nitrit entstehen können und im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Zum Vergleich: Der größte Teil der Nitrataufnahme kommt aus Gemüse (Salat, Spinat, Rote Bete), nicht aus Wasser.
Was du tun kannst
- Stadtwasser: Analyse des Versorgers ansehen, bei unter 25 mg/l gibt es nichts zu tun.
- Brunnen: jährlich testen, siehe Wassertest. Bei über 50 mg/l nicht trinken, bei über 10 nicht für Säuglinge.
- Filtern: Umkehrosmose entfernt 85 bis 95 Prozent, Anionentauscher gezielt Nitrat. Aktivkohle und Tischkannen helfen nicht. Details im Kapitel Osmoseanlagen.
- Abkochen hilft nicht, es konzentriert Nitrat sogar leicht.
Zum Ausprobieren
Trinkwasser-CheckAcht Fragen zu Haus, Leitung und Region, eine Einschätzung mit Ampel und nächsten Schritten.Osmose-RechnerAnlage, Filter, Abwasser gegen Flaschenwasser: Kosten pro Liter und Amortisation in Monaten.Häufige Fragen
Sinken die Nitratwerte inzwischen?
Langsam. Seit den 1990ern sind die Einträge gesunken, aber das Grundwasser reagiert mit Jahrzehnten Verzögerung. In manchen Regionen steigen die Werte noch.
Ist Mineralwasser nitratfrei?
Meist niedrig, aber nicht immer. Wasser mit dem Hinweis „für Säuglingsnahrung geeignet" garantiert unter 10 mg/l, das Etikett zeigt den Wert.
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