Nitrat 50, Blei 10, Kupfer 2.000, Uran 10, PFAS 100: Was die Zahlen bedeuten, wie sie zustande kommen, wo Deutschland strenger ist als die EU und wo Mineralwasser lockerer geregelt ist.
Kurz gesagt
- Grenzwerte sind Vorsorgewerte: lebenslanger Konsum von 2 Litern täglich ohne Risiko.
- Wichtigste Werte: Nitrat 50 mg/l, Blei 10 µg/l, Kupfer 2 mg/l, Uran 10 µg/l, Arsen 10 µg/l.
- Seit 2023 neu: PFAS-Summe 100 ng/l ab 2026, Bisphenol A, Legionellen-Prüfpflicht in Mietshäusern.
- Mineralwasser hat für Uran keinen Grenzwert und wird seltener geprüft.
Was ein Grenzwert ist
Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung sind so gesetzt, dass ein Mensch sein Leben lang täglich zwei Liter dieses Wassers trinken kann, ohne dass ein Gesundheitsrisiko entsteht. Sie enthalten Sicherheitsfaktoren von 10 bis 1.000 gegenüber der Dosis, bei der in Studien erste Effekte auftraten. Ein Wert knapp darüber ist deshalb kein akuter Notfall, aber ein Signal, dem der Versorger nachgehen muss.
Die wichtigsten Werte
| Stoff | Grenzwert | Woher | Warum |
|---|---|---|---|
| Nitrat | 50 mg/l | Düngung, Gülle | Säuglinge: Blausucht; Nitrosamine |
| Nitrit | 0,5 mg/l | Umwandlung aus Nitrat | wie Nitrat, direkter |
| Blei | 10 µg/l, ab 2028 5 µg/l | alte Leitungen | Nervensystem, Kinder |
| Kupfer | 2 mg/l | neue Kupferleitungen | Magen, Leber bei Säuglingen |
| Nickel | 20 µg/l | Armaturen | Allergie |
| Uran | 10 µg/l | Gestein, Phosphatdünger | Nieren |
| Arsen | 10 µg/l | Gestein | Krebs |
| Pestizide | 0,1 µg/l je Stoff, 0,5 gesamt | Landwirtschaft | Vorsorge, nicht toxikologisch |
| PFAS (20 Stoffe) | 100 ng/l ab 2026, 4 Stoffe 20 ng/l ab 2028 | Industrie, Löschschaum | Immunsystem, Leber |
| E. coli, Enterokokken | 0 in 100 ml | Fäkalien | Infektionen |
| Legionellen | 100 KBE in 100 ml (Maßnahmenwert) | Warmwasseranlagen | Lungenentzündung |
| pH-Wert | 6,5 bis 9,5 | Herkunft | Korrosion der Leitungen |
Was 2023 neu wurde
Die novellierte Verordnung brachte Grenzwerte für PFAS, für Bisphenol A (2,5 µg/l), eine Absenkung für Blei (ab 2028 auf 5 µg/l), eine Pflicht, Bleileitungen bis 2026 zu entfernen, und eine Risikobewertung der Einzugsgebiete durch die Versorger. Für Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung gilt weiterhin die Legionellenprüfung alle drei Jahre.
Wo Mineralwasser lockerer ist
Die Mineral- und Tafelwasserverordnung kennt für Uran keinen Grenzwert, nur eine Empfehlung von 10 µg/l für Säuglingswasser. Arsen und Mangan sind teils höher erlaubt, Prüfungen sind seltener. Das ist kein Grund, Mineralwasser zu meiden, aber ein Grund, den Mythos vom „reineren Flaschenwasser" zu begraben. Mehr im Beitrag Leitungswasser vs. Mineralwasser.
Was du mit den Zahlen tust
Vergleich die Analyse deines Versorgers (siehe Regionen) mit der Tabelle. Werte nahe am Grenzwert bei Nitrat sind typisch für landwirtschaftliche Regionen, siehe Nitrat im Grundwasser. Werte für Blei, Kupfer und Nickel misst der Versorger nicht in deinem Haus, das ist deine Sache, siehe Wassertest.
Zum Ausprobieren
Trinkwasser-CheckAcht Fragen zu Haus, Leitung und Region, eine Einschätzung mit Ampel und nächsten Schritten.Häufige Fragen
Warum ist der Nitrat-Grenzwert 50 und nicht niedriger?
Er schützt Säuglinge vor Methämoglobinämie, die ab etwa 100 mg/l auftreten kann. Für Erwachsene sind die Sorgen um Nitrosamine der Grund, den Wert nicht zu erhöhen. Für Babynahrung empfiehlt sich unter 10.
Sind Grenzwertüberschreitungen häufig?
Bei zentraler Versorgung selten und meist kurz. Über 99 Prozent der Proben halten alle Werte ein. Häufiger betroffen sind Kleinanlagen und private Brunnen.
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