Das Wasserwerk liefert einwandfrei, das Haus macht den Unterschied. Wie du Bleirohre erkennst, wann Kupfer ein Problem wird, was Zink und Nickel aus Armaturen bedeuten und welche Tests helfen.
Kurz gesagt
- Blei: in Häusern vor 1973 möglich, Grenzwert 10 µg/l, ab 2028 Austauschpflicht.
- Kupfer: bei neuen Leitungen und saurem, weichem Wasser in den ersten Jahren erhöht.
- Verzinkter Stahl: gibt Zink und Rost ab, kein Gesundheitsrisiko, aber Geschmack und Verfärbung.
- Stagnationswasser ablaufen lassen, Labortest bei Verdacht, Austausch als Dauerlösung.
Blei
Bis in die 1970er wurden Hausanschlüsse und Steigleitungen aus Blei verlegt, weil es weich und leicht zu biegen ist. Blei löst sich langsam ins Wasser, besonders wenn es steht und wenn das Wasser weich ist. Es reichert sich im Körper an und schädigt vor allem bei Kindern die Entwicklung des Nervensystems. Der Grenzwert liegt seit 2013 bei 10 Mikrogramm pro Liter, ab 2028 bei 5, und ab 2026 müssen Bleileitungen in Deutschland vollständig entfernt sein. Trotzdem gibt es Restbestände, vor allem in Berlin, Hamburg, Bremen, Sachsen und Teilen Nordrhein-Westfalens.
Erkennen: Bleirohre sind matt grau, weich, lassen sich mit dem Fingernagel oder Messer ritzen, haben oft wulstige Lötstellen und klingen dumpf beim Klopfen. Typische Stellen: Keller am Hausanschluss, hinter dem Wasserzähler. Was tun: Vermieter oder Eigentümer informieren, Labortest machen lassen (Stagnationsprobe nach 4 Stunden Stillstand), bis zum Austausch Wasser vor dem Trinken ablaufen lassen und für Babynahrung Flaschenwasser nutzen.
Kupfer
Kupfer ist seit den 1970ern Standard und in der Regel unproblematisch. Es gibt zwei Ausnahmen: neue Leitungen in den ersten Jahren, bevor sich eine Schutzschicht gebildet hat, und weiches, saures Wasser mit pH unter 7, das Kupfer löst. Der Grenzwert liegt bei 2 mg/l. Zu viel Kupfer schmeckt metallisch, färbt Haare grünlich und verursacht bei Säuglingen Magen-Darm-Beschwerden. Bei blaugrünen Flecken im Waschbecken und metallischem Geschmack am Morgen: Wasser ablaufen lassen und testen. Bei dauerhaft saurem Wasser sind Kunststoffleitungen die Lösung.
Verzinkter Stahl
In vielen Häusern aus den 1950er bis 1980er Jahren. Die Zinkschicht schützt den Stahl, löst sich aber langsam. Danach rostet das Rohr von innen, das Wasser wird bräunlich und schmeckt metallisch, der Durchfluss sinkt. Zink ist gesundheitlich unbedenklich, Rost auch, aber die Rohre sind am Lebensende und sollten ersetzt werden.
Armaturen und Nickel
Verchromte Armaturen enthalten Nickel, das in den ersten Sekunden ins Wasser gehen kann, vor allem bei billigen Produkten. Der Grenzwert ist 20 µg/l. Deshalb: die ersten Schlucke nicht aus dem stehenden Hahn, sondern erst kurz laufen lassen. Achte beim Kauf auf Trinkwasserzulassung (DVGW-Zeichen).
Kunststoff
PE-X, PP und Verbundrohre sind heute Standard, geben keine Metalle ab und sind bei korrekter Verlegung unproblematisch. Geschmacksfragen in den ersten Wochen verschwinden mit Spülen.
Testen
Für Blei, Kupfer, Nickel und Zink gibt es Labortests ab 30 bis 60 Euro: Probe morgens vor dem ersten Zapfen (Stagnation) und eine zweite nach zwei Minuten Laufen. Der Vergleich zeigt, ob das Problem im Haus liegt. Was Teststreifen können und was nicht, steht im Beitrag Wassertest zu Hause. Wer die Metalle sicher entfernen will, findet die Antwort im Kapitel Osmoseanlagen.
Zum Ausprobieren
Trinkwasser-CheckAcht Fragen zu Haus, Leitung und Region, eine Einschätzung mit Ampel und nächsten Schritten.Osmose-RechnerAnlage, Filter, Abwasser gegen Flaschenwasser: Kosten pro Liter und Amortisation in Monaten.Häufige Fragen
Hilft ein Tischfilter gegen Blei?
Nur, wenn er dafür zertifiziert ist. Einige Kartuschen mit Ionentauscher reduzieren Blei, die Wirkung lässt aber nach. Sicher sind Umkehrosmose und der Austausch der Leitung.
Muss der Vermieter Bleileitungen austauschen?
Ja. Trinkwasser mit Blei über dem Grenzwert ist ein Mangel, der Mieter kann Austausch und bis dahin Mietminderung verlangen. Gesundheitsamt einschalten hilft.
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