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Leitungswasser · Grundfrage

Kann man Leitungswasser in Deutschland trinken? Ja, mit drei Ausnahmen

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Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Warum es fast überall bedenkenlos trinkbar ist, wo die drei Ausnahmen liegen und was der Wasserversorger dir verraten muss.

Kurz gesagt

  • Die Trinkwasserverordnung setzt über 50 Grenzwerte, Versorger prüfen täglich bis wöchentlich.
  • Die Verantwortung des Versorgers endet am Hausanschluss; ab dort zählt die Hausinstallation.
  • Ausnahmen: Bleileitungen im Altbau, stagnierendes Wasser, eigener Brunnen.
  • Der Versorger muss dir die aktuelle Analyse auf Anfrage geben, meist steht sie online.

Wie streng die Kontrolle ist

Die Trinkwasserverordnung schreibt Grenzwerte für über 50 Stoffe vor, von Bakterien über Nitrat, Blei und Pestizide bis zu Uran und seit 2023 auch für PFAS. Wasserversorger prüfen je nach Größe täglich bis wöchentlich, Gesundheitsämter überwachen zusätzlich. Mineralwasser unterliegt der Mineral- und Tafelwasserverordnung, die an mehreren Stellen weniger streng ist, etwa bei Uran und bei der Prüfhäufigkeit. Was in beiden Fällen gilt, steht im Beitrag Grenzwerte erklärt.

Wo die Verantwortung wechselt

Der Versorger garantiert die Qualität bis zum Wasserzähler. Was danach kommt, gehört dem Hauseigentümer: Steigleitungen, Verteilung, Armaturen. Hier liegen die drei Ausnahmen, bei denen Leitungswasser tatsächlich ein Problem sein kann.

Ausnahme 1: Bleileitungen

In Häusern, die vor 1973 gebaut wurden, können noch Bleirohre liegen, vor allem in Norddeutschland, Berlin und Sachsen. Blei löst sich ins stehende Wasser und ist besonders für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder gefährlich. Seit 2013 gilt ein Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter, ab 2028 sind Bleileitungen vollständig zu entfernen. Erkennen: graue, weiche Rohre, die sich mit dem Messer ritzen lassen und matt glänzen. Was zu tun ist, steht im Beitrag Alte Leitungen.

Ausnahme 2: Stagnation

Wasser, das über Stunden in der Leitung steht, nimmt Metalle aus Rohren und Armaturen auf und erwärmt sich, was Keimen hilft. Nach dem Aufstehen, nach dem Urlaub und in selten genutzten Bädern deshalb den Hahn laufen lassen, bis das Wasser gleichmäßig kalt ist, meist nach 10 bis 30 Sekunden. Das Wasser ist nicht verloren: Gießen, Spülen, Putzen.

Ausnahme 3: Eigener Brunnen

Rund 700.000 Haushalte versorgen sich aus eigenen Brunnen. Dort gibt es keinen Versorger, der prüft. Nitrat aus der Landwirtschaft, Keime aus der Oberfläche und Eisen oder Mangan aus dem Boden sind typische Probleme. Ein Labortest einmal im Jahr ist Pflicht für die Gesundheit, siehe Wassertest.

Was der Versorger dir sagt

Jeder Versorger veröffentlicht seine Analyse: Härte, Nitrat, pH-Wert, Mineralien, oft nach Stadtteil. Die Werte für zwölf deutsche Städte findest du unter Regionen. Wer Zweifel an der Hausinstallation hat, lässt eine Probe im Labor untersuchen; für Blei und Kupfer gibt es Tests ab 30 Euro.

Was für die Leitung spricht

  • Preis: 0,2 bis 0,5 Cent pro Liter, Mineralwasser das Hundertfache.
  • Kontrolle: häufiger geprüft als jedes Flaschenwasser.
  • Ökobilanz: rund tausendmal besser als Flaschenwasser, siehe Ökobilanz.
  • Kein Schleppen, kein Pfand, kein Mikroplastik aus der Flasche.

Häufige Fragen

Ist Leitungswasser in Deutschland überall gleich?

Nein. Herkunft (Grundwasser, Talsperre, Seewasser, Uferfiltrat), Härte und Mineralien unterscheiden sich stark. Alle erfüllen die gleichen Grenzwerte, schmecken aber verschieden.

Kann ich Leitungswasser für Babynahrung nehmen?

Ja, wenn keine Bleileitungen im Haus sind und das Wasser frisch gezapft ist. In den ersten Monaten abkochen.

Warum schmeckt mein Wasser nach Chlor?

Manche Versorger desinfizieren mit geringen Chlormengen, vor allem im Sommer oder nach Arbeiten am Netz. Gesundheitlich unbedenklich, im offenen Krug verfliegt es in einer Stunde.